Das einzige Foto von Frida

Sie schaut mich ruhig an. Aufrecht, im Sonntagskleid mit Schleife, die sorgfältig gebunden ist. Eine Frau, die sich zurechtgemacht hat für das Porträt im Fotostudio.

Ich weiß nicht, was dieser Tag für sie bedeutet hat. Ich weiß nicht, was sie dachte, als der Fotograf auf den Auslöser drückte. Ich kenne ihre Stimme nicht. Ich habe nur dieses eine Foto von ihr.

Als Kind sagte man mir, deine Oma war eine „Waldarbeiterin“. Das passt irgendwie nicht zu dem Foto.

Das hat mich neugierig gemacht: Wer war diese Frau?

Wer war meine Großmutter Frida?

Was ich weiß und wo es noch Lücken gibt

Frida Röschke wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Hopfgarten, einem kleinen Dorf im Kreis Geithain in Sachsen, geboren. Es war eine uneheliche Geburt. Nicht die erste und auch nicht letzte in meiner Familie. SElma Röschke, ihre Mutter, Wie sie aufgewachsen ist und ihre Jugend verbracht hat, darüber weiß ich bisher nichts. Sie heiratete irgendwann einen Bauern und zog zu ihm nach Brehna in Sachsen-Anhalt. Dort versorgte sie neben der Familie auch Haus und Hof. Die einzige Erinnerung, die an sie exsitiert ist, dass sie „Waldarbeiterin“ gearbeitet haben soll. Ob das vor der Heiratwar, aus der oder nebenher, als sie bereits verheiratet gewesen ist, das ist unbekannt.

Es gibt keine Briefe von ihr, keine Geschichten, die weitergegeben wurden. Nur dieses Foto.

1954 starb Frieda, nur kurze Zeit nach der Geburt einer Tochter. Sie wurde nur 40 Jahre alt.

Das Fotoalbum

Es war die Suche nach meinem leiblichen Onkel, die mich zu ihr geführt hat. Ihn habe ich zuerst gefunden auf der Suche nach meinen leiblichen Verwandten mütterlicherseits. Ich bin ihm 2017 das erste Mal begegnet. Nach der ersten Überraschung des plötzlichen Kennenlernens fragte ich ihn nach Fotos seiner Mutter. In dem Als er starb, konnte ich seine beiden Fotoalben retten.eine leibliche Großmutter – auf einem einzigen Foto. Das einzige, das ich kenne.

Ich hätte es fast übersehen.

Warum ich das hier erzähle

Ich bin Erbenermittlerin. Jeden Tag helfe ich anderen Menschen, ihre Familien zu finden. Aber diese Geschichte ist meine eigene.

Und sie erinnert mich daran, dass hinter jedem Namen in einem alten Dokument ein Mensch steckt – mit einer Geschichte, die komplizierter und reicher ist als das, was in Akten steht. Oder was in Familien weitergegeben wird.

Vielleicht kennen Sie das Gefühl: Da war jemand, der zu Ihnen gehört – aber das Bild, das Sie von ihm haben, passt irgendwie nicht zusammen. Ein Detail stimmt nicht. Eine Überlieferung wirft mehr Fragen auf als Antworten.

Genau da fange ich an zu suchen.

Die Suche geht weiter

Wer war Frieda wirklich? Ich weiß es noch nicht. Aber ich suche weiter.

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Silke Mondon

Über die Autorin

Silke Mondon

Erbenermittlerin und Genealogin mit über 20 Jahren Erfahrung. In Berlin ansässig, weltweit tätig. Ich finde unbekannte Erben, entfernte Verwandte und historische Dokumente — für Nachlasspfleger und Privatpersonen.

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